
Foto: CONDOR – Chilenische Wochenzeitung in deutscher Sprache
Vom 16. – bis 19. November 2006 fand ein Treffen der Nachfahren
der Zillertaler Auswanderer in Chile statt
Zillertaler feierten gemeinsam in Chile
Tiroler umrahmten 150-Jahr-Gedenkfeier am südchilenischen Llanquihue-See
Text und Fotos: Martin Reiter, Österreich © 2006
Ein unrühmliches Kapitel der Tiroler Geschichte fand 1837 mit der Ausweisung von 427 Zillertaler Protestanten seinen Höhepunkt. Der Großteil von ihnen fand im schlesischen Ort Erdmannsdorf eine neue Heimat. 1946 wurden sie von dort neuerlich vertrieben.
Jedoch schon ab 1856 wanderten mehrere Zillertaler Familien neuerlich aus. Sie schlossen sich einer deutschen Auswanderergruppe an, die sich in Chile eine neue, bessere Zukunft erhoffte.
Von Hamburg kommen, erreichten sie nach strapazevoller viermonatiger Seereise im südchilenischen Puerto Montt ihre neue Heimat. Am damals menschenleeren Llanquihue-See besiedelten sie die ihnen zugewiesenen Kolonien und verwandelten den Urwald unter nahezu unmenschlichen Bedingungen in ein heute fruchtbares und blühendes Land mit Viehwirtschaft und Ackerbau.
Heute leben in Chile noch an die 600 Nachfahren der damaligen Zillertaler Auswanderer. Bis auf den Familiennamen Brugger, der in Chile wieder ausgestorben ist, sind die heutigen Namensträger Fleidl, Hechenleitner, Heim, Klocker, Kröll und Schönherr in Chile der lebende Beweis für den Fortbestand der Zillertaler Kolonie.
Kurt Klocker, Präsident der Zillertaler in Chile, hat gemeinsam mit dem Sprecher der chilenischen Zillertaler, Klaus Weidinger, die Feierlichkeiten zum 150-Jahr-Jubiläum der Ansiedlung organisiert.
54 Zillertaler waren damals nach Chile ausgewandert, 54 Tiroler, angeführt vom Schwazer Bezirkshauptmann Dr. Karl Mark und seiner Bürgermeistermusikkapelle, umrahmten nun das Gedenkwochenende.

Beim Eröffnungsabend führten Schüler der vor hundert Jahren gegründeten Deutschen Schule
Theaterszenen über religiöse Unterdrückung von der Inquisition bis heute auf.
Darunter eine Szene mit der Vertreibung der Zillertaler, wobei Regisseurin Marion Weber auf
Ausschnitte von Felix Mitterers “Verlorene Heimat” zurückgriff.

Ein weiterer Höhepunkt war der ökumenische Gottesdienst bei der Tirolerkapelle in Los Bajos.
Pastor Carlos Beibirt stand gemeinsam mit den katholischen Priestern P. Josef Neudorfer,
P. Thomas Naupp vom Stift Fiecht und Padre Victor Guerrero Diaz am Altar, musikalisch begleitet
von der Bürgermeistermusikkapelle.

Anschließend folgte noch ein Festakt am Kolonistenfriedhof,
wo man gemeinsam „Zillertal, du bist mei Freud“ anstimmte.
– Foto Klaus Keller, Santiago de Chile -
Ein bunter Abend, an dem neben der Buergermeisterkapelle Folkloregruppen aus Chile und Argentinien ein tolles Programm boten, rundete den Tag ab.
Weitere Programmpunkte waren ein kurzes Gedenken an den Gräbern der ersten Einwanderer und am Einwanderdenkmal in Totoral sowie ein Konzert in Puerto Varas.
Die 150-Jahr-Feierlichkeiten in Chile brachten somit nach 170 Jahren ein versöhnliches und von neuer Freundschaft geprägtes Ende zwischen katholischen und protestantischen Zillertalern.
Die Tiroler Gruppe war bei Familien der Auswanderer-Nachfahren untergebracht und erlebte bei diesen eine herzliche Gastfreundschaft und sie waren überrascht, wie viel Tradition aus der alten Heimat, die chilenischen Zillertaler bewahrt haben.

“Es lebe der Könik von Breißen” – 170 Jahre alter Ranzen aus der zweiten, schlesischen Heimat,
wohin die Zillertaler Protestanten 1837 reisten, werden in Chile auch heute noch mit Stolz getragen.

Klaus Weidinger (Sprecher der Zillertaler in Chile) und seine Frau Ruth
ließen sich für die Feierlichkeiten im Tiroler Zillertal eigens die Originaltracht anfertigen.

Schwendaus Bürgermeister Franz Hauser mit der Familie Kröll, Nachfahren der Auswandererfamilie
von Bartholomäus Kröll aus Schwendau

Beim Festakt präsentierten Klaus Weidinger (Sprecher der Zillertaler in Chile), Martin Reiter (Tiroler Heimatforscher)
und Wolf-Dieter Heim (Zillertaler-Nachkomme in Chile) die von ihnenverfasste bzw. übersetzte Festschrift.


Die lutheranische Tirolerkapelle in Los Bajos, jenem Ort,
den die Zillertaler Auswanderer zuerst besiedelten.
Die restaurierte Grabinschrift von Teresia Klocker im Jahre 2006.
Treffen der Nachfahren der Zillertaler Auswanderer
in Südchile
Fotos von Arturo Neumann, Chile © 2006

Die Bürgermeistermusikkapelle aus dem Bezirk Schwaz/ Tirol
am Denkmal für die Ahnen der Einwanderer am Llanquihue See.


Bezirkshauptmann Dr. Karl Mark bei seiner Ansprache
Die Bürgermeistermusikkapelle aus dem Bezirk Schwaz in Tirol
spielt zur 150. Jahrestag der Einwanderung in Frutillar auf.


Llanguihue See mit Osorno
im Hintergrund

“Chilote” Waltz vorgetragen von Bewohner der Die Tanzgruppe “Alpenrose” aus Bariloche, Argentineien, war ebenfalls zur 150-Jahr-Feier
Chiloé Insel, kurz “chilotes” genannt. nach Frutillar angereist.

Arturo Neumann, Chile, in der Bildmitte mit seinen Angehörigen und dem Bürgermeister von Schwendau Franz Hauser


Bürgermeister Franz Hauser mit Nachfahren der Zillertaler Auswanderer
Dieter Heim, zweiter von links, Nachfahre von Johannes Heim u. Walburga Fleidl,
Dr. Karl Mark, Bezirkshauptmann aus Schwaz/Tirol, zweiter von rechts,
Ramón Bahamonde Bürgermeister von Puerto Varas, rechts auf dem Foto.
